Webdesign für globale Märkte

Heute haben wir einen sehr interessanten Gastbeitrag von Christian Arno von Lingo24 über Webdesign für globale Märkte:

überblick

Das „Look & Feel“ einer Website, also deren Aussehen und Ansprechen, entscheidet über den Erfolg eines jeden Internetauftritts. Die Besonderheit des World Wide Web liegt darin, dass die von Ihnen sorgfältig erstellten Webseiten weltweit abrufbar sind, sobald sie hochgeladen werden.

Ob Sie nun mit Ihrer Website „jede Menge Kohlen machen“ wollen oder ob Ihr Ziel ist, Ihr Unternehmen auf internationalem Parkett angemessen darzustellen, in jedem Fall gibt es zahlreiche Aspekte, die Sie bei der Gestaltung Ihrer Website von Anfang an beachten sollten, damit sie den internationalen Anforderungen gerecht wird. Wenn Sie beabsichtigen, die Inhalte Ihrer Website auch in anderen Sprachen zu veröffentlichen, dann sollten diese vor ihrer Veröffentlichung zunächst lokalisiert werden. Damit dieser Prozess möglichst reibungslos ablaufen kann, sollten Sie weitsichtig vorausplanen.

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Jene, für die ein hübsches Design wichtiger ist als der Bereich „hinter den Kulissen“, sollten sich die folgenden technische Binsenweisheit vergegenwärtigen: Computer funktionieren mit Zahlen, nicht mit Buchstaben.

Es ist nun einmal so, dass jeder einzelne Buchstabe und jedes Schriftzeichen über einen bestimmten Zahlencode angezeigt werden. Ursprünglich gab es in unterschiedlichen Sprachen eine ganze Reihe verschiedener Codierungssysteme, bis Unicode dies grundlegend geändert hat.

Unicode weist jedem Schriftzeichen eine eindeutige Zahl zu, unabhängig von der jeweiligen Plattform, dem Programm oder der Sprache. Der Unicode-Standard wird von Branchenführern wie zum Beispiel Apple, HP, IBM, Microsoft, Oracle, Sun und vielen anderen eingesetzt. Was besonders wichtig ist: Er wird von den meisten gebräuchlichen Betriebssystemen und Browsern unterstützt. Die Entwicklung von Unicode stellt im Bereich der Softwaretechnologie einen der wichtigsten globalen Trends der letzten Jahre dar.

Die meisten der gängigen Webdesign-Anwendungen, wie zum Beispiel Dreamweaver oder Microsoft FrontPage für wahre Anfänger, ermöglichen die Erstellung von Unicode-Webseiten.

Unicode kann derzeit für mehr als 90 Skriptsprachen verwendet werden und verfügt einen Umfang von mehr als 100.000 Schriftzeichen. UTF-8 ist eine längenvariable Codierung für Unicode-Zeichen, mit der die meisten Programmierer vertraut sind. Zur Erstellung von Websites für internationale Märkte stellt diese Codierung die beste Wahl dar, weil sie die Verwendung von Schriftzeichen vieler unterschiedlicher Sprachen ermöglicht.

Wenn Sie Ihre Website auch in anderen Sprachen präsentieren möchten, verwenden Sie also am besten Unicode.

Inhalt der Webseite

Nur wegen des Designs wird allerdings niemand Ihre Website besuchen. Der Ausspruch „auf den Inhalt kommt es an“ gilt natürlich auch für Websites. Daher sollten Sie Ihren Besuchern im In- und Ausland interessante und nützliche Inhalte bieten.

Damit Ihre Inhalte den Anforderungen der internationalen Märkte gerecht werden, sind folgende zwei Schritte notwendig: Lokalisierung und Optimierung.

Der Aspekt der Lokalisierung erfordert einen qualifizierten muttersprachlichen Übersetzer für die einzelnen Zielmärkte. Wenn Sie mit Ihren internationalen Websites viel Geld verdienen möchten, sollten Sie auch landesspezifische Dialekte beachten. Im Internet gibt es einige gute Angebote von Freelancern, die professionell Texte übersetzen.

Im Französischen haben zum Beispiel viele Wörter unterschiedliche Bedeutungen, je nachdem, ob es sich um das in Frankreich gesprochene Französisch oder um kanadisches, Schweizer oder belgisches Französisch handelt. In Frankreich bedeutet „Mittagessen“ déjeuner. In der Schweiz und in Belgien hingegen wird der Begriff diner verwendet. Und was bedeutet dann das Wort diner in Frankreich? überraschung: Abendessen. ähnlich verhält es sich mit dem spanischen Wort Coche. Während in Spanien damit das Auto bezeichnet wird, bedeutet es in den meisten südamerikanischen Ländern „Kinderwagen“.

Sie verstehen, was ich meine, nicht wahr? Wenn sie Ihre globalen Unternehmungen wirklich ernst nehmen, sollten Sie Ihre Zielmärkte als voneinander getrennte Einheiten behandeln.

Das Bearbeiten von Flash-Inhalten, insbesondere das überschreiben, Kopieren und die Ermittlung der Wortanzahl, ist immer mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, was auch den Übersetzungsprozess erschwert. Daher sollten diese Inhalte auf ein Minimum begrenzt werden. Ein weiterer Punkt, der gegen den Einsatz von Flash-Inhalten spricht, ist die Suchmaschinenoptimierung. Wörter, die in Flash-Dateien eingebettet sind, können von Suchmaschinen wie zum Beispiel Google, nicht erkannt werden, was dazu führt, dass Ihre Website über eine Suchmaschine schwieriger gefunden wird.

Im Hinblick auf die Optimierung Ihrer Website für internationale Märkte, sollten Sie Ihre Suchbegriffe nicht wortwörtlich übersetzen. Viele Nutzer im Zielland benutzen bei Suche nach Produkten oder Dienstleistungen Abkürzungen, Synonyme oder sogar umgangssprachliche Ausdrücke. Daher sollten Sie sich die Mühe machen herauszufinden, welche Begriffe die Verbraucher bei der Suche in Ihrem Zielmarkt benutzen.

Diese Begriffe und Ausdrücke sollten anschließend in Ihre professionell übersetzte Website integriert werden, vorzugsweise auf einer landesspezifischen Domain (siehe unten).

Domain Auswahl

Es ist unter Umständen einfacher und billiger, nur eine einzige Domain für sämtliche Zielländer zu unterhalten. Vor dem Hintergrund der Suchmaschinenoptimierung (SEO) gibt es jedoch ein gewichtiges Argument, sich für jedes Zielland eine eigene Top-Level Domain (TLD) zuzulegen (z.B. „.de“ für Deutschland oder „.co.uk“ für das Vereinigte Königreich). Da Suchmaschinen die Top-Level Domain nutzen, um den „Standort“ einer Website zu ermitteln (Geotargeting), wirkt sich dies auf Ihre Position bei länderspezifischen Suchmaschinen aus (z.B. Google.de und Google.co.uk)

Ebenso wichtig ist es, für das Hosten Ihrer Website einen Server im Zielland einzusetzen, da auch diese Information bei der Ermittlung der Geoposition verwendet wird.

Daneben spielt auch die Website-Adresse Ihrer Domain eine wichtige Rolle, denn Google „liest“ die Wörter in der URL. Wenn Sie zum Beispiel „Software“ anbieten, sollte dieser Begriff auch in Ihrer URL enthalten sein. Für die anderssprachigen Zielländer sollten diese Begriffe gegebenenfalls auch in der URL übersetzt werden.

Die Entwicklung von Websites, die mehrere Sprachen unterstützen, stellt eine herausfordernde Aufgabe dar. Wenn Sie sich dazu entschließen, eine Domain für verschiedene Sprachen zu unterhalten, sollten Sie für jede einzelne Sprache eine Sub-Domain einrichten. Beispiel: Wenn die TLD Ihres Unternehmens http://www.mycompany.com lautet, würde die Subdomain für die französische Sprache folgendermaßen aussehen: http://fr.mycompany.com sein. Die landesspezifische Domain hingegen würde folgende Adresse haben: http://www.mycompany.de.

Navigation

Die Navigation ist ein überaus wichtiger Aspekt bei der Erstellung des Webdesigns. Konsistenz und Übersichtlichkeit erleichtern es den Besuchern Ihrer Website, sich zurechtzufinden. Die Navigation sollte intuitiv sein.

Wenn zum Beispiel auf Ihrer deutschsprachigen Website die Menüleiste links angeordnet ist, sollten Sie für Sprachen, die von rechts nach links gelesen werden, wie beispielsweise das Arabische, die Anordnung der Menüleiste auf der rechten Seite in Erwägung ziehen. Dies ist selbstverständlich nicht das Ein und Alles, denn die Menüleiste kann selbstverständlich auch auf der gegenüberliegenden Seite eingerichtet werden. Letztendlich kommt es darauf an, wie die Website beim Besucher ankommt. Als Alternative bietet sich die horizontale Anordnung, wodurch die Notwendigkeit entsprechender Änderungen entfällt.

Eine gute Idee ist zudem auch eine „Einstiegsseite“ für Ihre Website, über die man die gewünschte Navigationssprache wählen kann. Oder man verwendet Englisch bzw. Deutsch als Standardsprache mit der deutlich markierten Option, andere Sprachen zu wählen.

Manche Unternehmen nutzen IP2Country-Dienste, die anhand der IP-Adresse des Besuchers ermitteln können, von welchem Land aus, dieser auf das Internet zugreift. Dazu braucht man nur einen einfachen dynamischen Code auf der Website einzurichten. Da diese Methode jedoch nicht zu 100% zuverlässig ist, mag es besser sein, die Sprachauswahl dem Nutzer selbst zu überlassen.

Und damit sind wir am Ende angelangt. Dies waren nur einige der grundlegenden Punkte, die man bei der Einrichtung einer mehrsprachigen Website beachtet sollte. Viel Erfolg bei Ihrer globalen Expansion!

über den Autor

Christian Arno ist Gründer von Lingo24, einem internationalen übersetzungsunternehmen und Spezialisten im Bereich Lokalisierung von Websites.
Lingo24 wurde im Jahre 2001 gegründet und beschäftigt mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern auf vier Kontinenten. In den letzten zwölf Monaten hat das Unternehmen für Kunden der unterschiedlichsten Branchen mehr als 30 Millionen Wörter übersetzt. Im Geschäftsjahr 2009 konnte ein Umsatz in Höhe von 4 Mio. EUR erzielt werden.

Axel Metayer berichtet seit 10 Jahren über Benutzerfreundlichkeit und Suchmaschinenoptimierung. Er hat über ein jahrzehnt Erfahrung im Aufbau erfolgreicher Webseiten und ist für die Gründung des Autoportals KfzNet bekannt. Er arbeitet als Berater für Onlinemarketing Themen und Vortragsredner in Hamburg.

One thought on “Webdesign für globale Märkte”

  1. Der Author meinte wohl „fr.mycompany.com“ ))
    Also ich wurde erstmal versuchen die *.fr Domain zu registrieren.

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